Ebook Reader Test 2011
der neue Kindle ist da, und nach langer Überlegung habe ich mich entschieden mir einen
zu holen. Hiermit möchte ich euch ein paar Erfahrungsberichte geben, da das Thema Ebook
mich schon länger beschäftigt hat.
Brache ich eine Ebook reader?
Das ist wohl die Frage die sich ein jeder vor dem Kauf stellt. Hier meine Gründe dafür.
- Privat lese ich regelmäßig Bücher, das Problem das mittlerweile entstanden ist, dass ich immer weniger Platz habe. Nun die Bücher weg schmeißen ist viel zu schade, und den Aufwand diese wieder zu verkaufen für mich zu hoch.
- Im durchschnitt kosten Taschenbücher ca. 10 Euro, die Ebook Versionen sind im etwa ca. 1-2 Euro günstiger, das bedeutet, langfristig macht sich das Gerät von selber bezahlt.
- Ein in meiner Ansicht nicht zu unterschätzender Faktor ist die Umweltfreundlichkeit, wenn man hochrechnet wie viele Seiten für meinen bisherigen Bücher gedruckt worden sind, dann würde sicher ein riesiger Berg vor liegen, so kann man das langfristig sparen.
- Ein für mich entschiedener Punkt ist folgender: Durch mein Studium bedingt muss ich recht viel lesen, wie schon vorher erwähnt wird der Platz jedoch nicht größer. Zwar sind sicher noch nicht alle Bücher als ebook erhältlich, doch die Tendenz ist stark steigend. Hinzukommt das viele Bücher auch als PDF im Internet zu finden sind, diese kann man mit einen Konverter in das passende Format umwandeln.
Warum Kindle?
Es gibt sicher noch alternativen, und diese hab ich mir auch angesehen, aber die Entscheidung ist auf den Kinle gefallen, die Gründe dafür waren folgende für mich.
- Der Kindle geht mit dem neuen Gerät bereits in die 4. Generation, das bedeutet es ist einfach durch und durch erprobt, andere Hersteller sind gerade mal in der 1. maximal in der 2. Generation.
- Meiner Meinung nach bietet es einfach das beste Display zum lesen, es kommt am dichtesten, an ein Buch heran. Keine Spiegelungen oder ähnliches.
- Lange Zeit hat mich die englische Menüführung gestört, nun ist das mit der 4. Generation vorbei, eine komplett deutsche Menüführung ermöglicht die einfache Bedienung des Gerätes.
- Der Preis: Der neue Kindle ist mit 99 Euro, für die Qualität einfach unschlagbar günstig
- Er macht in erster Linie das was er soll, mir Bücher anzeigen. Ich wollte keine Spielereien wie Bilder anschauen oder ähnliches, dafür hab ich andere Geräte die das viel Besser können. Dadurch das der Kindle sich darauf beschränkt, hat er eine einmalige Akkulaufzeit von einem Monat bei durchschnittlichen lesen.
- Zu guter Letzt, amazon selber bringt den Kindle heraus. Das bedeutet man hat immer eine super support dahinter. Bei anderen Herstellern weiß man noch nicht mal ob die Geräte langfristig weiter gebaut werden.
Display und Darstellung
Im Kindle Keyboard ist wie im neuen Kindle ein E-Ink-Display der aktuellen
Generation mit den bekannten Vorteilen verbaut, also blickwinkelunabhängige
Darstellung, sehr guter Kontrast und Lesbarkeit bei Sonnenlicht. Die verschiedenen
Leseoptionen sind ebenfalls identisch, es ist also jeweils eine Auswahl möglich
zwischen 8 Schriftgrößen, 3 Schriftarten, 3 Zeilenabständen sowie 3
Einstellungen für die Anzahl der Wörter pro Zeile. Die Ausrichtung ist
weiterhin nur manuell wählbar.
Amazon wirbt damit, dass beim neuen Kindle noch schnellere Umschaltzeiten
realisiert wurden. Bei mir hat das allerdings zu einem schockähnlichen Zustand
nach den ersten Leseminuten geführt. Die Darstellung war gräulich verwaschen
und bei weitem nicht so kräftig und scharf wie auf dem alten Kindle. Amazon hat
das Problem anscheinend mittlerweile erkannt und ein Update für das
Kindle-Betriebssystem (von 4.0 auf 4.0.1) herausgebracht, welches die
zusätzliche Option "Seite aktualisieren" anbietet. Nach Aktivierung
dieser Option ist die Darstellung wieder so wie sie sein soll. Leider kann
dieses Update nicht direkt vom Kindle aus heruntergeladen und installiert
werden. Die Installation ist aber relativ einfach: Auf der Kindle-Hilfe-Seite
befindet sich gleich am Anfang direkt neben dem Foto des neuen Kindle der Punkt
"Software-Update". Dort sind alle notwendigen Schritte genau
beschrieben.
Der größte Nachteil, das Flackern beim Umschalten, hat mich vor zwei Jahren in
den ersten Stunden massiv gestört und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich
mich je daran gewöhnen werde. Schon nach wenigen Tagen habe ich es praktisch
nicht mehr wahrgenommen. Das Umschalten bzw. Blättern wurde beim Wechsel von
der zweiten auf die dritte Kindle-Generation deutlich verbessert. Sowohl auf
dem Kindle 3 (Keyboard) als auch dem neuen Kindle (egal ob mit oder ohne Option
"Seite aktualisieren") empfinde ich es nicht mehr als störend.
Konnektivität
Der Empfang über das Handynetz ("3G" bzw. "UMTS") ist als
Option nur beim Kindle Keyboard möglich. Ja, es stimmt, mit ein bisschen
Planung und einem Fassungsvermögen von ein paar Hundert Büchern sollte man
soweit planen können, dass man entweder locker mit den vorhandenen Büchern
auskommt oder man rechtzeitig ein WLAN findet. Dabei ist aber zu bedenken dass
man nur bei der Anschaffung Kosten für die 3G-Nutzung hat. Das Surfen im
Amazon-Store und das Herunterladen von Büchern ist weltweit absolut kostenlos.
Man benötigt keine SIM-Karte, keine Registrierung, keine Freischaltung, nichts.
Man schaltet es nur an und Amazon übernimmt sämtliche Kosten. Wer hat nicht
schon den ersten Teil einer Serie im Urlaub angefangen und dann festgestellt,
dass er durch ist und genau jetzt und ohne Verzögerung den zweiten Teil lesen
möchte? Dumm, wenn kein WLAN verfügbar ist oder dieses nur mit einer
kryptischen Einwahlseite gestartet werden kann.
Die WLAN-Funktionalität ist bei beim neuesten Kindle und den beiden Kindle
Keyboard identisch.
Gehäuse:
Die Gehäuserückseite ist aus Plastik. Allerdings ist es kein "billiges
Plastik", ich empfinde es als sehr angenehm und es ist rutschfest ohne
sich irgendwie gummiartig oder klebrig anzufühlen. Der Kindle 2 hatte übrigens
noch eine "hochwertige" Rückwand aus Metall. Wer diese Generation
jemals im Winter im Freien in einer Tasche herumgetragen hat und anschließend
im Zug lesen wollte, hat festgestellt, wie sehr sich das Metall an die
Außentemperatur anpassen kann und einem anschließend jegliche potentiell
vorhandene Wärme aus den Fingern zieht. OK, das mag jetzt mädchenhaft sein,
aber ich liebe die Plastikversion.
Der Kindle Keyboard hat auf der Unterseite einen Schalter für die Lautstärke,
Kopfhöreranschluss, Micro-USB-Anschluss und den Ein-/Aus-Schalter.
Mich persönlich stören diese beiden Schalter, weil ich den Kindle u. a. so
halte, dass er mit der Unterseite auf der (empfindlichen) Innenseite eines
Fingers aufliegt. Der neue Kindle hat lediglich noch den Micro-USB-Anschluss
sowie einen Knopf zum Ein- und Ausschalten. Die Unterseite ist zudem leicht
schräg, so dass der Knopf nicht stört und man ihn auch nicht versehentlich
betätigt. Das mag eine Kleinigkeit sein, ich empfinde sie aber als sehr
angenehm.
Abgesehen davon hat Amazon den neuen Kindle wie beworben auf das absolut
Notwendige reduziert. Er ist bei gleicher Displaygröße deutlich kleinlich und
leichter als sein Vorgänger. Alle Kindle werden über den (identischen)
Micro-USB-Anschluss geladen.
Sprachen:
Wurde bisher nur Englisch unterstützt, sind es jetzt insgesamt 6 Sprachen
(Deutsch, Englisch UK oder US, Französisch, Spanisch, Italienisch und
Portugiesisch). Interessant ist in diesem Zusammenhang dass man für jede dieser
Sprachen das jeweilige Wörterbuch herunterladen und verwenden kann, also z. B.
den Duden, das "Oxford Dictionary of English" oder "The New Oxford
American Dictionary". Dafür braucht man keinen PC oder muss sie
umständlich suchen. Sie liegen in der "Cloud", wie es mittlerweile so
schön heißt, d. h. sie können über das Archiv direkt am Kindle heruntergeladen
werden. Der Kindle hat bei den bisher von mir getesteten Büchern (ich kann
leider nur Deutsch und Englisch) jeweils passend den Duden oder das Oxford
Dictionary verwendet.
Es ist bei allen Kindle möglich, statt den Standard-Wörterbüchern alternative
Wörterbücher zu installieren. Man kann beispielsweise bei Amazon ein
Englisch-Deutsch Wörterbuch kaufen, und dann bei den alten Kindle-Generationen
als generellen Standard bzw. beim neuen Kindle als Standard für englische
Bücher hinterlegen. Statt der englischen Defintion wird dann bei einem englischen
Buch die deutsche Übersetzung angezeigt. Sucht im Kindle Store einfach mal nach
"English German Default Dictionary".
Inhalte
Es ist nicht möglich, Bücher von einem Kindle auf einen anderen zu übertragen.
Theoretisch könnte man die Kindle an den PC anschließen und die Dateien einfach
hinüberkopieren. Praktisch ist die Seriennummer des Kindle Teil des
Kopierschutzes. Als Konsequenz muss man jedes Buch auf seinem Kindle einzeln
herunterladen. Dies geht relativ schnell, es gibt einen Ordner "Archiv"
in dem alle Bücher aufgelistet sind die man unter seinem Amazon-Konto gekauft
hat. Aber andererseits: HALLO, LIEBE AMAZON-TECHNIKER, JEMALS DEN BEGRIFF
"BULK-DOWNLOAD" GEHÖRT??? Wenn ich noch einmal meine 150 Bücher
einzeln herunterladen muss, starte ich künftig stattdessen ein Skript welches
mir diese Arbeit für immer und ewig abnimmt!!! Alle Bücher auf meinem Kindle
sind völlig legal, aber ihr wisst genauso gut wie ich dass das möglich ist und
ein viertes Mal tue ich mir das nicht an!
Andererseits ist es aber auch möglich, mehrere Kindle auf seinen Account zu
registrieren. Falls also der Ehepartner ebenfalls einen Kindle hat und die
beiden Kindle auf einem Account registriert sind, kann man alle gekauften
Bücher problemlos und absolut legal auf beide Kindle herunterladen und lesen.
Hat allerdings noch einen Seiteneffekt: Man kann zwar nur im Amazon
E-Book-Store shoppen, allerdings muss man weder eine Geheimzahl noch sonst
irgendwas eingeben. Man muss sich nur einloggen, kann beliebig Bücher kaufen
und die beim Konto hinterlegte Kreditkarte wird belastet. Das ist Shopping im
21. Jahrhundert, man braucht seiner Frau die Kreditkarte nicht mal mehr geben,
sie kann sie virtuell verwenden ;-)
Im Gegensatz zu Büchern kann man die Sortierung seines alten Gerätes übernehmen.
Einfach im Archiv "Sammlungen anderer Geräte hinzufügen wählen", eine
genaue Beschreibung findet sich im Benutzerhandbuch.
Ergänzend sei noch erwähnt, dass Seitenzahlen eine Eigenschaft des Buches sind,
und deswegen auf allen Kindle zur Verfügung stehen oder auch nicht. Die
Stichpunkte PDF, persönliche Dokumente und Buchauswahl (Amazon proprietär, kein
epub/ protected mobi) wurden in den vorhanden Rezensionen bereits ausführlich
diskutiert weshalb ich mir das hier spare.
Bedienung
Der neue Kindle hat eine sogenannte "virtuelle Tastatur". Jeder der einmal versucht hat, mit einem PS 3-Controller, einem XBox-Controller oder der Fernbedienung seines Fernsehers einen Text einzugeben, weiß wovon ich spreche. Man muss mit Richtungstasten den korrekten Buchstaben (Zahl/Sonderzeichen) auswählen und dann bestätigen. Der neue Kindle hat nur noch diese Art von Tastatur im Gegensatz zu dem namensgebenden "Keyboard" der Vorgängergeneration. Ich war bisher immer der Meinung, dass die Tastatur auf dem alten Kindle das überflüssigste Teil ist, was man sich vorstellen kann und habe mich immer gefragt was Amazon dazu getrieben hat, eine einzubauen. Jetzt weiß ich es.